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La Bohème im Ringelspiel - Erzählung - Bilder

"Hätten Sie Lust auf einen kleinen Bummel über einen Rummelplatz in Wort und Bildern?", fragte die Einladung zur September Vernissage "La Bohème im Ringelspiel" kokett. Eine Doppel-Premiere, da Ingeborg Hoven neben aktuellen Werken zu dem neu ausgewählten Themenfächer "Jahrmarkt" die erste öffentliche Lesung einer ihrer Kurzgeschichte darbot.

Poetische Texte zu ihren Werken schreibt die Künstlerin bereits seit Jahren. Die Kenner ihrer Arbeiten wissen, dass sie sich bei einem Gang durch eine Ausstellung von Ingeborg Hoven in einer verspielten
Wort-Bild-Kunstwelt bewegen. Zwar wird nicht jedes Bild oder Objekt zugleich betextet, jedoch
erhält häufig ein erstaunter Käufer neben dem begehrten Kunstobjekt gratis einen literarischen Text als Beigabe, den die Künstlerin eigens zu diesem speziellen Werk gedichtet hat. Allein die Titelgebungen der künstlerischen Arbeiten bezeugen, dass das kreative Schaffen von Ingeborg Hoven mehrdimensional verlaufen muss. Der Betrachter wird sinnlich und geistig in die Welt der Ingeborg Hoven entführt, wobei sie ihn unterstützt, indem sie ihn sprachlich an die Hand nimmt. Das Verstehen ihrer ganz individuellen künstlerischen Handschrift wird so durch die Texte erschlossen. In einem zweiten Schöpfungsprozess verdichtet Ingeborg Hoven ihre Arbeit bei der Titelfindung oder eben noch mit einer Erzählung, einer Geschichte zu einem komplexen Geschöpf.
Der künstlerische Impetus ist hier nicht etwa Zufall oder Launenhaftigkeit, sondern ein Sich-einlassen auf eine Idee, eine Auseinandersetzung mit einem Thema bis sich dieses als Ganzes darstellt.

Das Debüt scheint geglückt zu schein, wie sich schon während des Vortrags an manch glühendem Gesicht ablesen ließ. Mit den Bildern vor Augen lauschte die Runde den Erlebnissen einer jungen Frau, die sich während der fünfziger Jahre ereignet haben sollen. Jahrmarkt, Messe, Rummel, Kirmes, je nachdem wie das Lokalkalorit diese Erlebniswelt nannte und nennt, verhieß ein erregender Ort zu sein. Mit leichtem Erschaudern erwartete man dort Geheimnisse, wollte verzaubert werden. In einer Zeit fernab von Event- und High-light-Überfrachtung erweckte und belebte das spezifische Milieu des Jahrmarktes, vielleicht ein leicht verrufener, gefährlicher und damit bisweilen verbotener Raum, damals die Sinne statt sie abzustumpfen. Keine Gefahr, sich zu übersättigen. Lebenslust und Lebensfreude, die Sehnsucht nach einem Erleben - eventuell auch von Verbotenem - der Rummel gewährte dem jugendlichen Wünschen verschiedenste Möglichkeiten.
Wie Kinofilme aus jener Zeit berichtet die Geschichte von lauten Herzschlägen, Heimlichkeiten und einer dezenten Welt, die viel Platz für zarte Amouren und Romanzen bot.
"Kriegen wir jetzt nur eine Geschichte?", tönte es begehrlich und aufbegehrend nach dem Vortrag. Aber nein, fürs Erste sollte jetzt den Bild-Titeln gelauscht werden. Der Applaus war heftig und sprach für sich.

Die Bilder, Originale und Grafiken, zeigen beschwingte Besucher, Karussells, Riesenräder, Buden, Kettenkarussells, Bauchtänzerinnen und eine Serie von Pferden, die scheinbar dem Karussell entlaufen sind. "Allah hat die Pferde aus einer Handvoll Südwind erschaffen", heißen diese vier, nummerierten Aquarelle und man meint ein leises Schnauben zu hören, während die Tiere der Freiheit zu eilen.
Das typische Hoven-Markenzeichen ist Bewegung. So herrscht in allen Bildern ein Drehen und Kreisen, ein Schwung, auch hier ein Tanz.
Dass die Ausstellung "La Bohème im Ringelspiel" lautet und sich somit dem österreichischen Sprachraum zweifach annähert, klingt wie eine Hommage an den Prater, den Urvater aller Jahrmärkte.
Hier in zahlreichen Bildern dieser Ausstellung hat die Künstlerin bereits die Verwandlung, die sich mit Einbruch der Nacht in dieser sehr speziellen Atmosphäre, dieser Halbwelt des Messplatzes, geheimnisreich ereignet, faszinierend inszeniert. Die entsprechenden Bild-Titel kommentieren diesen Abgang des hellen Tagesgeschehens mit "Turbulenzen in hellen Nächten", "Die Nacht ist eine andere Welt" oder "Nocturne".
Den Rummelplatz hat die Künstlerin eben erst als Reservoir für sich entdeckt. Man kann gespannt sein, was passiert, wenn sie, wie sie erzählte, Drehorgel, Raupe und andere Fahrgeschäfte ins Bild bringt.

© Dorothee Vohl




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