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Badische Zeitung: Südl. Breisgau, April 2007

Grasgrüne Frösche und Klosterfrauen
Das Schaffen der Bad Krozinger Künstlerin Ingeborg Hoven weist viele Facetten auf

BAD KROZINGEN. Im Garten eines versteckt liegenden Hauses in der Staufener Straße verraten große Eisenskulpturen, dass hier die Kunst ein Zuhause hat. Es ist das Domizil von Ingeborg Hoven, deren künstlerisches Schaffen viele Facetten aufweist. Genauer gesagt: Sie arbeitet nicht nur bildhauerisch, sondern malt, zeichnet und gestaltet auch Collagen.

Das Heitere, Augenzwinkernde ist charakteristisch für ihre Schöpfungen. Ihre überbordende Phantasie wie ihr Ideenreichtum lassen eine kuriose Tierwelt Gestalt annehmen und sie führt dies in ihrer neuen Ausstellung fort. Kenner ihrer Kunst finden bereits in der Vergangenheit aufgegriffene Themen wieder variiert und neue in das Werk aufgenommen.

"Ich mache aus allem etwas", sagt sie, was bedeutet, dass sie sich auch der Kunst der Wiederverwertung zuwendet. Hat man wie sie den rechten Blick dafür, eröffnet sich hier ein Gebiet mit unerschöpflichen Möglichkeiten. Doch sie setzt Überreste aller Art nur sparsam, quasi als i-Tüpfelchen ein, erzielt damit aber umso größere Effekte. Hier ein kleines
Stück Draht oder eine Büroklammer, dort ein wenig weißes Seidenpapier, mit dem die Hauben diskutierender Nonnen gefaltet sind. Doch eigentlich sind es gar keine Nonnen, auch wenn der Titel der kleinen Eisenskulptur "Ein Wort unter Klosterfrauen" lautet. Recht besehen sind es skurrile Vögel. Die lässt die seit mehr als 50 Jahren in Bad Krozingen lebende Freiburgerin am liebsten unter ihren Händen förmlich lebendig werden, mit ihnen kann sie am beten menschliche Schwächen aufs Korn nehmen und auf liebevollnachsichtige Art ausdrücken. Die Formen sind dabei nur angedeutet, trotzdem sprechen sie eine klare Sprache. Und wenn die Figuren oft tänzerisch daherkommen, unterstreicht das die künstlerische Aussage noch.

Auch mit Worten drückt die seit 1986 im eigenen Atelier arbeitende Künstlerin ihren Objekten einen Stempel auf, es wird geradezu erwartet von ihr, dass sie ihren Werken, seien es Skulpturen aus Eisenblech oder kompaktem Bandeisen, seien es Acrylbilder, Radierungen oder Collagen fantasievolle Titel gibt oder sogar Gedichte hinzufügt. "Die Diva und der Impresario" oder "Komm mir nicht zu nah, schöner Mann", heißt es dann etwas. "Königliche Siesta" findet statt unter einem silbrigen Schirm, zugeschnitten aus der Hülle eines Teelichtes. Beieinander stehende Vögel mit himmelwärts gereckten Schnäbeln lassen unschwer erkennen, dass es hier um "Halluzinationen nach einer Weinprobe" geht.
Als mythologisches Motiv und Titelfigur eines berühmten Balletts von Waslaw Nijinski taucht mit Hörnern, Bocksbeinen und Flöte in einer erzählerischen Collage der Faun oder Hirtengott Pan auf. Auch mit Fröschen, deren Bilder sich an der Wand reihen, setzt sich die Künstlerin kreativ auseinander. Grasgrün und mit aufgeblasenen Backen wollen sie imponieren,
einer prüft sein Spiegelbild, ein anderer weist eine verblüffende Ähnlichkeit mit Jack Nicholson auf und hat den gleichen schrägen Blick wie der Hahn als "Verfolger auf der Überholspur", der einer Henne hinterher jagt.

Auf eine ganz andere Ebene hat sich Ingeborg Hoven mit ihren dem Grautier gewidmeten Gouachen begeben. Sie sind voller Poesie. Esel, die träumen, Esel, die über die Dummheit der Menschen philosophieren und sich wundern, warum man sie störrisch nennt. Hier hat sie sich von der Prosadichtung "Platero und ich" des spanischen Nobelpreisträgers Juan Ramon Jimenez inspirieren lassen und eine kongeniale Umsetzung gefunden.

Die Ausstellung in der Staufener Str. 13a ist bis zum 30. April (telefonische Anmeldung: 07633/15682) zu sehen.

Dorothee Möller-Barbian



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