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Zauber und Geheimnis um zwei hübsche Kaffeetassen

Ein Spätnachmittag im Hochsommer, abgeschirmt von herrlichen, uralten Zedern,
versteckt sich ein zugewachsener, völlig verwilderter Garten.

Der Boden überzogen von Moos und Gras - herrlich diese Symbiose aus Grüntönen.
Wie ein Teppich, der auch den leisesten Tritt verschluckt, jedes Geräusch ist tabu.

Dunkel erscheint die Nische unter dem Blätterdach eines Holunderstrauches, bevor es ein paar Sonnenstrahlen gelingt, das Dickicht zu durchbrechen, um etwas Licht in die Szene zu bringen,
in das geheimnisvolle Geschehen um einen kleinen Tisch aus Stein:
Eine dicke Tischplatte auf einem schweren, viereckigen Sockel.
Nicht zu entziffern ist das verwitterte Wappen, das einst ein Steinmetz eingemeißelt hatte.

Den heimlichen Beobachter könnte ein Schauder erfassen, wenn da nicht eine wunderschöne, weiße Tischdecke aufgelegt worden wäre.
Eine Decke, eingefasst von kostbaren Spitzen aus der Extremadura,
in Zafra waren sie einst gekauft worden, um aus dem weißen Tuch eine Kostbarkeit zaubern zu können.
Das intensive, strahlende Weiß der Decke vermag sogar den Umkreis des Tisches aufzuhellen -
fast glasklar lässt sich die Umgebung wahrnehmen.

Das eigentliche Mysterium aber ist der sorgfältig gedeckte Tisch.

Zwei zauberhafte Kaffeegedecke aus feinstem Porzellan:
Schwarz sind die Außenseiten der reizvollen Tassen, nur im weißen Milieu mit einer winzigen, kirschroten Blüte bemalt.
Kapriziös setzt sich die zierliche Kaffeekanne in Position -
wie eine Flamenco-Tänzerin in einer Ballett-Pantomime.

Ein durch und durch geheimnisvolles Arrangement,
ohne den geringsten Hinweis,   w e r   zur Kaffeestunde erwartet wird und von   w e m.

Es war ein kurzer sommerlicher Regenschauer, der aus den Zedern einen durchsichtigen Vorhang herabfallen ließ, einen Vorhang aus kleinen glitzernden Tropfen -
wie winzige Perlen - aufgereiht an langen Schnüren.

Ein Schleier, der den Blick auf das rätselhafte Geschehen verwehren soll.

Das Gebäude im Hintergrund lässt sich zu dieser Stunde nur erahnen.
Ein imaginäres Fenster - kaum durchschaubar - hält den Blick, der ins Nirgendwo zu gehen
scheint, gefangen.
Dieses Fenster erhöht noch den irrealen, phantastischen Eindruck des ganzen Szenarios.

Vielleicht ist ja auch alles nur ein Traum, ein Schein,

wer gibt die Antwort?



ΠIngeborg Hoven 2005



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